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vKotfressen beim Hund
  vMein Hund hat Angst (Gewitter/Sylvester)
  vStubenunreinheit der Katze

vKoprophagie oder Kotfressen

Unter Koprophagie oder Kotfressen versteht man die Aufnahme des eigenen Kotes, des Kotes anderer Artgenossen oder anderer Tierarten.
Bei einigen Tierarten stellt das Kotfressen ein durchaus normales Verhalten dar, wie zum Beispiel bei Kaninchen oder Meerschweinchen, die des Nachts den etwas weicheren Blinddarmkot wieder aufnehmen. Der Hund zählt jedoch nicht zu diesen Tierarten, bei denen Kotfressen einem natürlichen Bedürfnis entspricht.

Die Verdauung des Hundes ist praktisch im Dünndarm abgeschlossen, denn nicht nur Eiweiß, Fett und Kohlehydrate, sondern auch Mineralstoffe sowie Vitamine werden hier abgebaut und aufgenommen. Der Vergleich der Längenverhältnisse der beiden Darmabschnitte Dünndarm und Dickdarm zeigt beim Hund deutlich die relative Kürze des Dickdarms, der zudem mit anderen Bakterien besiedelt ist als beim Nager. Der Hundedickdarm ist nicht darauf ausgelegt, bestimmte Nährstoffe zu bilden, so dass daher keine Notwendigkeit besteht, fehlende Nährstoffe über das Kotfressen abzudecken. Auch vergleichende Studien der Verhaltensforschung beim Hund selbst und seinem Vorfahren, dem Wolf, zeigen, dass Kotfressen bei diesen Tierarten nicht zu den normalen Verhaltensweisen gehört. Dennoch wird Kotfressen beim Hund gelegentlich beobachtet, sehr zum Ärger des Besitzers.

Die Ursachen für das Kotfressen sind nicht genau bekannt. Eine Reihe von Faktoren kann jedoch als Ursache für dieses ungewöhnliche Verhalten angesehen werden.

Bei Welpen
... ist zunächst die natürliche Neugierde anzuführen, die ihn veranlasst, alle möglichen Dinge zu beschnuppern und daran zu knabbern. Daher stets den Kot nach dem Absetzen entfernen.

Bei ausgewachsenen Hunden
... wird Kotfressen am häufigsten beobachtet, wenn sie in zu kleinen Zwingern, in denen es zu einer Ansammlung von Exkrementen kommt, gehalten werden. Tägliche Reinigung und viel freier Auslauf können helfen!

Bei Krankheiten,
insbesondere bei Befall mit Darmparasiten oder bei Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, die zu extremem Heißhunger führen können, ist Kotfressen festzustellen. Dabei verliert der Hund auch an Körpergewicht und sollte tierärztlich untersucht werden.

Bei nicht artgerechter Ernährung,
die einen Mangel an Mineralstoffen sowie eine Unterversorgung mit Vitaminen zur Folge hat, wird Kotfressen ebenfalls beobachtet.

Eine parasitologische Kotuntersuchung sowie spezielle Tests zur Funktion der Bauchspeicheldrüse können eine ernsthafte Erkrankung ausschließen bzw. eine entsprechende Behandlung einleiten. Zusätzliche Vitamin/Mineralstoffgaben sowie eine kontinuierliche Umstellung auf ein ausgewogenes Alleinfutter können Abhilfe schaffen.

Hier wurden nur einige der Gründe für Koprophagie angeführt. Bitte wenden Sie sich dennoch an Ihren Tierarzt.

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vStubenunreinheit der Katze

Unter Stubenunreinheit versteht man das Absetzen von Kot oder Harn an dafür nicht vorgesehenen Stellen, d.h. weder außerhalb des Hauses noch in einer Katzentoilette.
Um die damit zusammenhängenden Probleme richtig beurteilen zu können, sind Kenntnisse des normalen Ausscheidungsverhaltens erforderlich, ebenso wie über die Gründe, die eine Katze zum Ablehnen ihrer Toilette veranlassen können.

Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang auch mögliche Krankheiten als auslösende Ursache für Verhaltensprobleme.
Als erstes muss zwischen Harnmarkieren und unerwünschtem Harn- bzw. Kotabsatz unterschieden werden - obwohl beide Probleme miteinander vorkommen können.

Unerwünschter Harn- bzw. Kotabsatz

Unter unerwünschtem Harn- bzw. Kotabsatz versteht man das generelle oder inkonsequente Nicht-Benutzen der Katzentoilette für das Ausscheiden von Urin und / oder Kot.
Dieser unangebrachte Harn oder Kotabsatz erfolgt in der normalen Hockposition, der Schwanz steht waagerecht weg, wobei die abgesetzte Harnmenge erheblich größer ist als beim Harnspritzen. 

Ursachen für solche Verhaltensstörungen sind z.B. eine Entzündung der Harnblase oder der Harnröhre, Prostataerkrankungen, Durchfall, Verstopfung, ein Tonusverlust des Schließmuskels, verstopfte Analdrüsen, Krankheiten des Nervensystems oder eine Erkrankung des Bewegungsapparates, die den Gang bis zum Kistchen beeinträchtigt.
Solche Krankheiten müssen durch weiterführende Untersuchungen abgeklärt bzw. ausgeschlossen werden, und die Therapie besteht natürlich in einer Behandlung des Grundleidens. 

Weitere Ursachen für die Unsauberkeit sind im Zusammenhang mit der Katzenkiste zu finden: Entweder sind zu wenige Toiletten vorhanden oder sie werden zu selten oder zu gründlich gereinigt, stehen an einem unruhigen Ort, in der Nähe des Futternapfs, sie können zu klein sein, oder sie werden abgelehnt, weil sie geschlossen sind, oder die Katze in ihr schlechte Erfahrungen gemacht hat (Bestrafung, Behandlung, Schmerz).
Ebenso kann eine neue Einstreumarke oder Einstreuart Unsauberkeit bewirken. In diesen Fällen liegt die Therapie in der richtigen Handhabung der Katzenkisten.
Weiters kann Stress bei empfänglichen Katzen der Auslöser der Stubenunreinheit sein (siehe später).

Neben dem unerwünschtem Harn- bzw. Kotabsatz ist die zweite Möglichkeit des stubenunreinen Verhaltens das Harnmarkieren.

Harnmarkieren

Es dient der Kommunikation (und nicht der Ausscheidung) und kann als Harnspritzen oder als Harnabsatz in Hockposition (aber als Markierverhalten) erfolgen.

Harnspritzen

können sowohl Kater und Weibchen als auch kastrierte Tiere.
Das Harnspritzen ist an und für sich ein normales Verhalten, das jedoch in der Regel innerhalb der Wohnung nicht als geruchliche oder optische Markierung, wie dies von Auslaufkatzen bekannt ist, benutzt wird, wenn es aber in der Wohnung gezeigt wird, zum "Problemverhalten" an einem anormalen Ort wird.
Beim Harnspritzen stehen die Katzen aufrecht mit gestreckten Hinterbeinen, senkrecht erhobenem, zitterndem Schwanz und spritzen dabei eine kleine Menge Harn an meist dieselben markanten Orte.

Harnen in kauernder Stellung ist bei Katern selten ein Markierverhalten, wogegen bei Weibchen dieses Verhaltensmuster durchaus eine Markierfunktion haben könnte. Die Harnmenge ist meist wesentlich kleiner als beim Harnabsatz zur Ausscheidung und erfolgt an sozial wichtigen Stellen; weiteres Beobachten ist deshalb erforderlich.
Spritzen nach hinten ist immer Markierverhalten, unabhängig vom Geschlecht!

Für die Therapie ist es außerordentlich wichtig zu wissen, wann genau das Problem angefangen hat und wie die näheren Umstände im Leben der Katze zu jenem Zeitpunkt waren, da Stress sehr oft die Ursache der Stubenunreinheit darstellt.

Mögliche Auslöser des Harnmarkierens sind unter anderem:

  • neue Möbel oder Umstellung von Möbeln in der Wohnung;

  • Wohnungswechsel;

  • krasse Änderung des Tagesablaufs;

  • Einschränkung des gewohnten Freiganges oder wenn Räume verschlossen werden;

  • neue Katzen oder andere Tiere in der Nachbarschaft oder im eigenen Haushalt;

  • Aufenthalt in einer Tierpension;

  • Veränderung der Beziehung mit anderen Tieren im gleichen Haushalt;

  • Veränderung der Beziehung mit dem Halter oder anderen Menschen;

  • Verlust eines geliebten Wesens (Mensch, Mitkatze);

  • Abwesenheit (Urlaub) der Halter oder anderer Familienmitglieder;

  • Ankunft neuer Personen (Baby, Partner usw.) im Haushalt;

  • Veränderung der Beziehung zwischen Menschen im gleichen Haushalt;

  • Erreichen der Geschlechtsreife nicht kastrierter Tiere;

  • während der Rolligkeit;

  • Veränderungen, die im Zusammenhang mit der Lage oder Ausstattung der Katzenkiste stehen.

Alle diese potentiellen Auslöser können zu einer Verunsicherung der Katze führen.
Darauf reagieren Katzen häufig mit Harnmarkieren, was eigentlich ein normales Verhalten, nur nicht im Kerngebiet ihres Streifgebiete, also innerhalb der sicheren Wohnung ist.
Wenn also die Sicherheit in der Wohnung durch soziale Veränderungen im oder unmittelbar um den Haushalt bedroht wird, kann eine bisher nicht spritzende Katze plötzlich zu markieren beginnen.
Der eigene Geruch soll für die Katze beruhigend wirken, da sie etwas vertrautes riecht.

Die Häufigkeit des Spritzens hängt sehr stark von den äußeren Bedingungen ab, beispielsweise von der Zahl der Katzen, die sich in der Nähe befinden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Kater Urin spritzen, ist wesentlich größer bei gemeinsamer Haltung mit weiblichen Katzen, als wenn sie mit männlichen Katzen zusammen gehalten werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Katze nach der Unsauberkeit durch die erhöhte Zuwendung des Tierhalters von diesem unbewusst belohnt wird, was neuerliches Unreinheit zur Folge hat. Daher ist anzuraten, die Katze während des Wegputzens zu ignorieren und alle Kontakte (Sprach-, Körper-, Blickkontakte) zu unterlassen.

Therapie

Für die Therapie der Stubenunreinheit der Katze stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wobei der richtigen Reinigung der verschmutzten Stellen große Bedeutung zukommt:
Am besten hilft ein feuchtes Tuch oder Wasser mit unparfümiertem, biologisch abbaubarem Reinigungsmittel (50% verdünnter Weinessig, Seife).
Fernhaltesprays sind unwirksam und sowohl diese, als auch parfümierte Reinigungsmittel können mit ihrem fremden Geruch die Katze noch mehr verunsichern und dadurch selbst zum auslösenden Reiz werden.
Absolut zu vermeiden sind Putzmittel die Ammoniak beinhalten (z.B. Salmiak), da diese Substanz die Katzen anzieht. Sie betrachten Ammoniak als Harn fremder Tiere und "übermalen" diesen mit dem eigenen Harn.

In Haushalten mit mehreren Tieren ist es als erstes wichtig festzustellen, welches stubenunrein ist.
Ein diagnostisches Hilfsmittel ist die perorale oder subkutane Verabreichung von Natriumfluoreszinfarbstoff. Dieser Stoff wird mit dem Harn ausgeschieden und fluoresziert im abgedunkelten Haus bei Beleuchtung mit UV-Licht

Nachdem der oder die Übeltäter identifiziert wurden, muss zwischen Harnmarkieren und unerwünschtem Harn- bzw. Kotabsatz anhand der oben genannten Kriterien unterschieden werden und organische Veränderungen als Ursache der Unsauberkeit ausgeschlossen werden.
Es muss geklärt werden, ob die Eigentümer kürzlich umgezogen sind, ob neue Katzen in den Haushalt aufgenommen wurden usw.
Einige Einflussfaktoren können vorübergehend sein, so daß mit ihrem Aufhören das Problem zunächst einmal gelöst ist (Abwesenheit des Besitzers, Änderung des Tagesablaufes).
Andere können nicht rückgängig gemacht werden (Todesfall, Umzug), worauf eine Therapie unumgänglich ist.

Handelt es sich um unkastrierte Kater oder Katzen, dann wird die Kastration empfohlen, wodurch in ca. 90 % der Fälle das Harnspritzen beseitigt wird, was aber nicht heißt, dass es später nicht wieder auftritt.

Eine weitere Therapiemöglichkeit besteht in der Verabreichung von Gestagenen.
Klinische Studien mit Gestagentherapie haben aber gezeigt, daß das Harnspritzen nur bei ungefähr 30 % der Katzen für einen Monat oder längere Zeit beseitigt wird.
Eine große Rolle spielen hierbei jedoch das Geschlecht der Katze und die Zahl der gemeinsam in einem Haushalt gehaltenen Tiere.
Erfolge sind häufiger bei Katern als bei Katzen und ebenso bei einzeln gehaltenen Katzen im Vergleich zu einer größeren Zahl von Tieren, die im Haushalt gehalten werden.

Eine solche "Symptomenbekämpfung" ohne wenigstens einen Versuch, die Ursachen zu eruieren und diesen entgegenzuwirken, ist fragwürdig.
Mögliche Nebeneffekte dieser Behandlung können eine Vergrößerung der Milchdrüsen, lethargisch-depressives Verhalten oder eine Appetitzunahme sein. Weiters besteht die Möglichkeit einer Pigmentänderung an der Injektionsstelle.

Ebenso auf Unterdrückung dieses Verhaltens beruht die Therapie mit Psychopharmaka wie z.B. Valium.
Auch diese Therapie zeigt in einem Großteil der Fälle nur solange einen Erfolg, wie die Präparate verabreicht werden.
Nach Absetzen tritt das Problemverhalten meist wieder auf.

Eine neue Methode, die verunsicherte Katze in der Wohnung in Sicherheit zu wiegen, ist das Versprühen von Pheromonen (Geruchsstoffen). Diese sollen auf Katzen eine natürlich beruhigende Wirkung haben, wodurch das Markieren unterbleibt.
Genauere Untersuchungen über FeliwayÒ liegen zur Zeit noch nicht vor, es ist aber anzunehmen, dass die Unsauberkeit nur oberflächlich beseitigt und nach Beendigung der Sprühbehandlung wiederkehrt, da Stubenunreinheit meist eine konstitutionell bedingte Empfindlichkeit als Ursache hat, die bei dieser Art der Therapie unberücksichtigt bleibt.

 

Erfolgschancen hat man durch Assoziation von neuen Reizen mit dem verschmutzten Ort.
Am erfolgreichsten ist Nahrung als Reiz, aber Spielreize wirken auch.
Man legt am Morgen, vor der normalen Fütterung und vorausgesetzt, die Katze hat dort nicht über Nacht mit Harn markiert, ein oder zwei Brocken Trockenfutter an der Markierungsstelle auf den Boden, ruft die Katze und zeigt ihr diese.
Wichtig ist dabei, dass die Katze die Nahrungsbrocken selbst vom Boden (und nicht aus der Hand des Halters) aufnimmt. Gleich nach dem Aufnehmen wird die Katze zum gewohnten Freßort geführt und normal gefüttert.
Wenn diese Variante nicht hilft, besteht immer noch die Möglichkeit, dass ein Spielreiz mit diesem speziellen Ort assoziiert werden kann.
Man bindet einen Gegenstand, z.B. einen Korken, an ein Schnurende und der Halter sollte das Tier an Ort und Stelle - und nur dort - zum Spiele animieren. Dieses Vorgehen ist über mehrere Tage zu wiederholen.
Damit berücksichtigt man, dass Katzen eine räumliche Trennung zwischen Futter- und Spritz- bzw. Spielplatz bevorzugen.
Diese Therapie funktioniert natürlich nur, wenn an ein bis höchstens zwei Orten markiert wird und nicht überall in der Wohnung.

Das Beschmutzen von Teppichen, Sitzmöbeln und Betten lässt sich durch das Auflegen von Plastik- oder Aluminiumfolien verhindern, da diese Materialien kaum Auslöser für das Scharren bieten.
Die Ränder dieser Folien können mit für Katzen unangenehm riechenden Zitronellöl versehen werden, so dass ein Unterkriechen der Folien unterbleibt.

Eine weitere Methode besteht darin, die Katze ungestört in einem "sicheren", d.h. möglichst vertrauten Zimmer (bevorzugt Badezimmer) einzusperren, das natürlich eine Katzentoilette enthält, und den Freigang der Katze nach zwei bis drei Tagen sukzessive zu vergrößern.

Die Stubenunreinheit stellt das häufigste Verhaltensproblem bei Katzen dar.

Ihre Therapie ist sehr zeit- und kostenintensiv und zeigt oft nur vorübergehenden oder keinen Erfolg.
Dies liegt daran, dass meist nur Symptome bekämpft werden, ohne auf die Ursachen der Stubenunreinheit, eine verunsicherte, unglückliche Katze einzugehen.

Ihre Mitarbeit ist für den Erfolg der Behandlung von entscheidender Bedeutung: Bitte führen Sie Aufzeichnungen über die Stubenunreinheit (wann Ihre Katze wo stubenunrein war, vermutete Ursachen, ev. Begleitumstände...)

Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns bitte.

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 vMein Hund hat Angst

©Dipl.Tzt. Sabine Schroll /www.schroll.at
 

Rocky fürchtet sich vor Gewittern und zu Silvester ist es ganz besonders schlimm. Er verkriecht sich im hintersten Winkel der Wohnung oder versucht, sich im Bett zu verstecken. Es wird mit jedem Jahr schlimmer.

 

Daisy hat Angst vor fremden Leuten. Sie knurrt und bellt, und wenn sie jemand streicheln will, schnappt sie sogar. Ich habe Sorge, dass sie einmal jemanden beissen wird.

 

Meine Cindy ist jetzt 8 Monate alt, aber sie ist immer noch nicht sauber. Manchmal, wenn es draussen ruhig ist, pinkelt sie im Garten, aber bei Spaziergängen in einer neuen Umgebung bleibt sie unbeweglich stehen, will umdrehen und nach Hause laufen. Dann haben wir wieder das Malheur im Vorzimmer.

 

Wenn er allein bleiben muss zerstört Gismo alles, was er finden kann. Ganz besonders hat er es auf meine Sachen – Wäschestücke, Bücher, etc. – abgesehen. Wenn ich zu Hause bin, ist er ganz lieb und sehr anhänglich, aber dieses Zerstören, wenn er alleine bleiben muss, regt mich ziemlich auf. Und er weiss ganz genau, was er angestellt hat, wenn ich heimkomme ...

 

Rex leckt schon seit vielen Wochen an seiner linken Vorderpfote, er ist schon ganz offen und blutig. Die Wundsalbe ist gleich wieder abgeschleckt und einen Verband duldet er nicht. Wenn ich mit ihm schimpfe, versteckt er sich und schleckt weiter.

 

Angst kann viele Gesichter haben. Alle diese Hunde leiden unter einer Angststörung – sei es eine Phobie vor lauten Geräuschen, eine soziale Phobie vor Menschen, sei es durch reizarme Umwelt in früher Jugend bedingte generalisierte Ängstlichkeit, eine trennungsbedingte Angststörung oder das chronische Leckgranulom als Folge einer beruhigenden Ersatzhandlung wie Pfoten schlecken.

 

Neben den durch aggressives Verhalten ausgelösten Problemen zählen diese Angststörungen zu den häufigsten Gründen für eine (verhaltens-)medizinische Konsultation beim Tierarzt.

 

Trotzdem müssen immer noch viele Hunde in einem Zustand chronischer Ängstlichkeit oder mit wiederkehrenden Panikattacken leben.

 

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die verschiedenen Angsterkrankungen beim Hund sowie moderne Therapiemöglichkeiten geben.

 

Definitionen

Beginnen wir zunächst mit einigen Definitionen rund die Angst: Furcht, Angst, Phobie, Ängstlichkeit.

 

Die Furcht ist eine mässige Verhaltensreaktion des Hundes vor einem bekannten oder unbekannten Reiz, den er als wenig gefährlich betrachtet. Der Hund ist psychisch und körperlich in der Lage, den Reiz zu erforschen oder zu flüchten.

 

Die Angst ist im Gegensatz dazu eine heftige Verhaltensreaktion vor einem bekannten oder unbekannten Reiz, den der Hund als sehr gefährlich ansieht. In dieser Situation ist der Hund weder psychisch noch körperlich zur Erforschung oder Flucht fähig. In solch einer ausweglosen Lage zeigt er körperliche Symptome der Angst wie Speicheln, Hecheln, erhöhte Herzfrequenz, Schwitzen an den Pfoten, emotional bedingten Harn- und Kotabsatz oder Entleeren der Analbeutel.

 

Die Phobie ist eine zeitlich kurzfristige Reaktion der Angst vor einem genau definierten tatsächlichen Reiz wie bestimmte Geräusche, Männer, andere Hunde, etc., der aber für den Hund keine wirkliche Gefahr darstellt.

 

Ängstlichkeit ist ein andauernder diffuser Zustand von Angst vor wechselnden und vielfach minimalen Reizen in der Umwelt. Er ist verbunden mit Vorahnung und folglich übersteigerter Wachsamkeit gegenüber kleinsten Veränderungen in der alltäglichen Umgebung, und oftmals mit körperlichen Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Speicheln, etc. Je nach Stadium der Erkrankung reagieren Hunde sehr leicht reizbar und aggressiv, quasi in einer ständigen Verteidigungshaltung gegenüber einer als feindlich angesehenen Umwelt, oder sie werden in ihren Verhaltensweisen immer stärker gehemmt und suchen Entlastung in Ersatzhandlungen wie dauerndes Trinken, Fressen, Pfoten lecken oder übersteigerter Bindung an ihre Bezugsperson.

 

Wo liegen die Ursachen für diese Angststörungen ?

 

Neben einem gewissen genetischen Einfluss liegen die wichtigsten Ursachen in den sensiblen Entwicklungsphasen des Hundes.

 

Bereits während der Trächtigkeit beeinflussen Berührungsreize wie Streicheln durch die Bauchdecke der Hündin die Gehirnentwicklung des Welpen. Nach der Geburt erwachen die Sinne des Welpen nach und nach: Tastsinn, Wärme- Geschmacks- und Geruchssinn sofort, Sehen und Hören etwas später. Das erbliche Programm der Gehirnentwicklung wird in dieser Sozialisation genannten Entwicklungsphase bis zur 12. Woche massgeblich und entscheidend durch die Umgebung beeinflusst. Ein Welpe, der in einer reizarmen und eintönigen Umwelt aufwächst, hat ein bleibendes strukturelles Defizit im Gehirn für sein ganzes weiteres Leben ! Vereinfacht ausgedrückt: Ein Welpe mit einem solcherart unterentwickelten Gehirn hat eine mangelhafte Hardware. Das alltägliche Hundeleben in der menschlichen Gesellschaft erfordert jedoch eine hervorragende Hardware-Ausstattung – mit 16 MB Arbeitsspeicher kann man keine Spiele, die 64 MB erfordern, spielen – das System ist mit dieser Software schlicht und einfach überfordert. Wohin diese System-Überlastung beim Hund führt, werden wir noch sehen.

 

Eine zweite äusserst sensible Entwicklungsphase des Hundes ist die Pubertät, im Alter von 5-12 Monaten. In diesem Alter finden neben körperlichen auch psychische Ausreifungsvorgänge statt. Selbst aufgeschlossene und freundliche Hunde werden auf einmal sensibel und reagieren sehr empfindlich auf Neues, seien es Menschen, Objekte oder Situationen. Kleinste unangenehme Erfahrungen haben starken Einfluss auf das Weltbild des Hundes, Phobien zeigen sich häufig erstmals in diesem Alter.

 

Und schliesslich nehmen Angststörungen im höheren Alter des Hundes zu. Im gleichen Masse wie die geistige Flexibilität und die Sinnesleistungen des Hundes abnehmen, werden sie durch emotionale Reaktionen – zum Beispiel Furcht oder Angst – ersetzt. Wenn ein Hund die Umweltreize in seinem Weltbild nicht mehr richtig einordnen kann, wird er unsicher und bekommt Angst.

 

Deprivationssyndrom

Als Deprivationssyndrom wird die Gesamtheit der Symptome bezeichnet, die durch eine reizarme Aufzucht entstehen, wenn sich der Hund in seinem weiteren Leben in einer komplexen und anregenden Umwelt befindet. Durch seine Defizite in der Gehirnstruktur kann er mit den vielen Umwelteinflüssen nicht umgehen. Er reagiert zunächst mit einer Phobie vor allem, was neu ist und aufgrund der dynamischen Vorgänge im Rahmen dieser Erkrankung lebt er sehr bald in einem dauernden Zustand von Angst: deprivationsbedingte Ängstlichkeit.

 

Allzu schnell lernt ein Hund in diesem überwachsamen, angespannten Zustand, dass aggressives Verhalten ein hervorragende Methode ist, sich alles und jeden vom Leib zu halten. Da diesen chronisch ängstlichen Hunden aufgrund ihrer Erkrankung eine vernünftige Selbstkontrolle fehlt, stellen sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Öffentlichkeit und, wenn die Kommunikation gestört ist, auch für ihre Familie dar ! In manchen Fällen finden diese ängstlichen Hunde für sich eine – scheinbar – großartige Lösung. Sie kann die Ursache für das nächste Problem sein ...

 

Trennungsbedingte Angststörungen

Ein unsicherer, ängstlicher Hund bindet sich übermässig an seine Bezugsperson. Aus der Anwesenheit und dem Körperkontakt mit seinem Menschen bezieht er seine Stabilität und soziale Sicherheit. Sie, als Besitzer, sind die Lösung all seiner Probleme ... ja, solange bis Sie ohne Hund weggehen. Dann stürzt die Welt für den Hund zusammen, er hat auf einmal seine ganze Stabilität verloren. In seiner Verzweiflung beginnt er zu bellen und zu heulen, um wieder Kontakt zu bekommen. Die körperlichen Symptome der Angst können sich soweit steigern, dass er mehrfach Harn und vielfach flüssigen Kot absetzen muss. Manche Hunde beruhigen sich sehr zum Missfallen ihrer Besitzer selbst durch Kauen und Nagen – die Schäden in der Wohnung können enorm sein.

 

Bei der Rückkehr finden Sie dann einen geduckten, eingeschüchterten und ängstlichen Hund. „Er weiß ganz genau, was er wieder angerichtet hat ...“. Auch wenn es aus menschlicher Sicht noch so sehr danach aussehen mag: Ihr Hund weiß es nicht. Er kombiniert schlicht und einfach: Wenn Frauerl und kaputter Teppich zusammentreffen, bedeutet das nichts Gutes. Dass es sein, für ihn ja sinnvolles, weil beruhigendes Verhalten vor zwei Stunden war, das Ihre Unfreundlichkeit auslöst, kann er nicht erkennen. Dafür fehlen selbst einem sehr intelligenten Hund die geistigen Fähigkeiten, zeitlich versetzt zu kombinieren.

 

Mit einer – wie auch immer gearteten – unfreundlichen Reaktion vergrößern Sie allerdings das Angstproblem Ihres Hundes: Einerseits sind Sie die einzige Möglichkeit, wie er Beruhigung und Sicherheit findet, andererseits weisen Sie ihn zurück – eine ziemlich ausweglose Situation für einen ängstlichen Hund, nicht ?

 

Behandlung von Angststörungen

Der Leidensdruck und die Beeinträchtigung der Lebensqualität für Hund wie Besitzer sowie die potentielle Gefahr für die Gesellschaft durch aggressives Verhalten dieser Hunde sollten genug Gründe sein, Hunde mit Angststörungen tierärztlich behandeln zu lassen.

 

Die Möglichkeiten der modernen Verhaltensmedizin erlauben zwar nicht immer die vollständige Heilung – ein mangelhaft entwickeltes Gehirn oder fehlende Selektion auf anpassungsfähige und psychische stabile Hunde kann nicht mehr rückgängig gemacht werden – aber es gibt dennoch zahlreiche Möglichkeiten, diesen Hunden zu helfen.

 

Die Ziele der Behandlung hängen im Einzelnen natürlich davon ab, was der Besitzer des Hundes erreichen möchte. Aber im Wesentlichen möchte man Folgendes erreichen:

 

·     Wiederherstellung der psychischen Stabilität und des Wohlbefindens für den Hund

·     Wiederherstellung einer harmonischen Beziehung zum Besitzer oder zur Familie

·     Sicherheit für die Gesellschaft (z.B. bei aggressivem Verhalten)

·     Keine weiteren Schäden in der Wohnung, Auto, etc.

 

Die Behandlung hängt natürlich immer von der genauen Diagnose, der Dauer der Erkrankung und dem Grad der Beeinträchtigung ab.

 

Die unangenehmen körperlichen Symptome der Angst und die gesamte ängstliche Stimmungslage des Hundes können – und sollten – zunächst mit Medikamenten behandelt werden. Die Palette der medikamenthellen Möglichkeiten reicht von der Homöopathie bis zu sehr spezifisch auf die Botenstoffe im Gehirn wirkenden synthetischen Psychopharmaka. Der Einsatz von bereits in der Humanmedizin bewährten pflanzlichen Psychopharmaka in der Veterinär-Verhaltensmedizin erscheint vielversprechend – laufende Untersuchungen werden zeigen, ob sie auch für die Therapie bei Hunden geeignet sind.

 

Ein vollkommen neuer Weg in der Verhaltensmedizin ist der Einsatz von speziellen Geruchsstoffen, so genannten Pheromonen. Diese Pheromone werden von der Hündin während der Säugeperiode produziert und haben eine beruhigende und entspannende Wirkung auf die Welpen. Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Pheromone auch bei erwachsenen Hunden angstlösend wirken.

 

Ein Hund, der neben der emotionalen Anspannung alle körperlichen Symptome der Angst erlebt, ist unfähig zu lernen. Erst wenn sich der Hund aufgrund der medikamenthellen Behandlung oder der Pheromon-Therapie besser fühlt, ist er auch wieder in der Lage, zu lernen.

 

Dann beginnt die Phase der Verhaltenstherapie, wo der Hund langsam mit verschiedenen Techniken, wie zum Beispiel der systematischen Desensibilisierung, der Gegenkonditionierung oder der Spieltherapie an Angstauslösende Reize gewöhnt wird. Eine Verbesserung ist oft schon nach den ersten Wochen zu sehen, in manchen Fällen von schwerem Deprivationssyndrom kann die Therapie einige Monate bis zu einem Jahr dauern. Rückschläge sind häufig, mit Konsequenz, Ausdauer und der Strategie der kleinen Schritte können jedoch auch diese Hunde mit ihrer Beeinträchtigung leben.

 

Zusammenfassung

Angststörungen beim Hund sind sehr häufig und sie beeinträchtigen das Wohlbefinden entscheidend. Die Vielzahl der Symptome kann unterschiedliche, körperliche und psychische Ursachen haben, sodass Hunde mit Angststörungen tierärztlich untersucht werden müssen.  Wenn auch teilweise genetisch bedingt, sind die wichtigsten Ursachen in Entwicklungsstörungen durch reizarme Aufzucht zu suchen. Für die Behandlung von Angststörungen gibt es in der modernen Verhaltensmedizin unzählige Möglichkeiten, die zwar nicht immer völlige Heilung, doch eine wesentliche Besserung der Erkrankung ermöglichen.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin

©Dipl.Tzt. Sabine Schroll

www.schroll.at
21.11.2001

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